Pressespiegel: Ehrenamtliche Radiomacher suchen mehr Gehör

Stuttgarter Zeitung vom 07.06.2003

Lizenzen für freie Radios werden neu vergeben - Veranstalter machen bei einer Tour durchs Land auf ihre Probleme aufmerksam

STUTTGART. Die freien Radios im Land stehen vor einer neuen achtjährigen Lizenzperiode. Die Bewerbungsfrist ist gestern abgelaufen. Mitte Oktober werden die Frequenzen neu vergeben. Die Veranstalter hoffen auf stärkere Sender und auf höhere Zuschüsse.

Von Renate Allgöwer

Mancher ehrenamtliche Mitarbeiter der freien Radiosender kann seinen eigenen Beitrag nicht hören, weil die Sender so schwache Leistungen haben, dass sie nicht einmal das ganze Stadtgebiet versorgen. Das soll anders werden, verlangen die Vertreter der neun Sender im Land, die sich mit Mitgliedsbeiträgen und öffentlicher Förderung über Wasser halten. Wenn die Landesanstalt für Kommunikation (LfK) im Oktober die Frequenzen für weitere acht Jahre vergibt, wollen die ehrenamtlichen Radiomacher möglichst überall gehört werden. Ihre Botschaft ist klar: "Her mit den besseren Frequenzen", fordern sie bei einer Radiotour, die am Montag in Schopfloch beginnt und bis 28. Juni zu allen Standorten von freien Sendern führt.

"Als nicht gewinnorientierte Einrichtungen" müssten sie von der LfK besser berücksichtigt werden, meinen die in der Assoziation freier Gesellschaftsfunk zusammengeschlossenen freien Radios. Seit der Einführung des freien privaten Hörfunks ohne Werbung hätten sich die Rahmenbedingungen verschlechtert, die Konkurrenz um die knappen Frequenzen sei härter geworden. So werden heute nicht nur öffentlich-rechtliche sowie lokale und regionale kommerzielle Privatsender verbreitet. Ein landesweiter privater Jugendsender ist ebenso dazugekommen wie Lernradios, mit denen sich manche freien Radios die Frequenzen teilen müssen. Dass so genannte Spartenradios wie das Klassikradio noch vor ihnen berücksichtigt würden, ärgert die freien Radiomacher gewaltig. In manchen Gebieten wie im Bodenseeraum oder in Offenburg gebe es überhaupt keine nicht kommerziellen Sender.

Jetzt verlangen die alternativen Radiobetreiber, dass die Gleichwertigkeit zwischen öffentlich-rechtlichen, privat-kommerziellen und privaten nicht kommerziellen Rundfunksendern gesetzlich verankert wird. Außerdem wollen sie eine flächendeckende Verbreitung des freien Lokalfunks im Land, eine Verbesserung der Frequenzen und mehr Geld von der LfK. Bis jetzt erhalten sie etwa zehn Prozent der Haushaltsmittel der LfK, sie halten 15 Prozent für angemessen.

Die LfK bekenne sich zu den nicht kommerziellen Radios, sagt Andreas Hamann, der bei der Landesanstalt das Projekt freie Radios leitet. Die Veranstalter hätten in der zu Ende gehenden Lizenzperiode "gute Arbeit geleistet", die honoriert werden solle. Er lobt besonders, dass bei den freien Radios fremdsprachige Gruppen wie Migranten zu Wort kämen und "hochinteressante Entwicklungen in der Musik" verbreitet würden.

Vom Lob allein können sich die alternativen Radiomacher aber nichts kaufen. So schlecht sei die Ausstattung nicht, findet die LfK. Ein Sender mit einer 24-Stunden-Lizenz bekomme 50 000 Euro im Jahr, dazu Extrageld, wenn zum Beispiel die Technik ausfallen sollte. Die Veranstalter würden sich dagegen 70 000 Euro wünschen, so viel gebe es in Hessen. Zu Beginn der neuen Lizenzperiode, also von 2004 an, kündigt Hamann eine neue Förderung für die inhaltliche Weiterentwicklung und die Fortbildung der Mitarbeiter an. Wie hoch sie sein soll, sei noch nicht klar. In den nächsten Jahren werde aber "ein ordentlicher Betrag" bereitgestellt, zum Beispiel als Komplementärmittel für EU-Projekte.

Die LfK bemühe sich auch, die Reichweiten der Sender zu verbessern. Allerdings dürfe dies nicht zu Lasten kommerzieller Privatsender gehen. Die LfK sei verpflichtet, für kommerzielle Sender wirtschaftlich tragfähige Sendegebiete auszuweisen, diese dürften nicht beschnitten werden. Allerdings sei es nach wie vor möglich, durch Umkoordinierung von Frequenzen die Reichweiten zu erhöhen. Hamann nannte Stuttgart als Beispiel. Dort sende jetzt das freie Radio auf einer anderen Frequenz und könne so eine Million Hörer erreichen.