Pressespiegel: Listen! (Écoute!)

Katalog "Überlebensgeschichten von A bis Z",
Haus der Geschichte BaWü, Feb. 2017

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Listen! (Écoute!)

Am 24. Mai 2016 ging das Refugee Radio im Freien Radio für Stuttgart erstmals auf Sendung - mit
einer Diskussionsrunde zum Thema Integration. Im Studio sprachen diejenigen, die sonst selten zu Wort kommen: die Geflüchteten selbst. In den deutschen Medien wird ihre Sicht kaum dargestellt. Das Freie Radio für Stuttgart will dies ändern. Inzwischen hat das Refugee Radio einen festen Sendeplatz und bietet Geflüchteten jeden Dienstag eine Plattform, um selbstbestimmt über die Probleme von Schutzsuchenden zu berichten und die lokale Bevölkerung und Politik zu erreichen. Das Projekt will einen offenen Austausch zwischen Menschen mit und ohne Fluchterfahrung fördern. Gesendet wird in fünf Sprachen: Englisch, Arabisch, Deutsch, Paschtu und Französisch. Die aktiven Radiomacher stammen aus Gambia, Syrien, Pakistan, Afghanistan und Kamerun. Was alle in Deutschland sehr schätzen, ist die Meinungs- und Pressefreiheit. Anders als in ihren Heimatländern dürfen sie hier sagen, was sie denken.

In der Sendung erzählen sie von ihrer eigenen Geschichte, tauschen sich über Kultur aus und
diskutieren aktuellepolitische und soziale Themen wie Asylrecht, Sprachkurse, Wohn oder
Arbeitssituation. Je nach Anliegen interviewen sie Fachleute und Politikerinnen und treten dabei
für die Belange von Geflüchteten ein. Refugees können sich auch direkt an das Radio wenden, um
über ihre Probleme zu sprechen und gemeinsam nach Handlungsmöglichkeiten zu suchen. Das feste Radio-Team bilden Frejus Arnaud Sadio Kanouo, Kamran Khan, Rajab Abd AI Muati, Mohamad Alsheikh Ali und Shamhoon Shah.

Stuttgart-Ost, Sendestudio :
"Seit unserer Ankunft in Deutschland, sind wir nur noch Nummern. Auf dem Amt fragt man uns nicht nach dem Namen, sondern nach der Nummer. In unserem Land hatten wir Namen und wir hatten Berufe", erzählt Rajab Abd Al Muati im Sendestudio des Refugee Radio. "Es darf aber nicht sein, dass wir Nummern bleiben."
Das Refugee Radio bietet den Radiomachern eine Möglichkeit, dies zu ändern. Hier sind sie
Gleichberechtigte, die ihre individuellen Kenntnisse einbringen. Die meisten waren vor ihrer Flucht
Medienschaffende. Als Journalisten im Exil wieder in den angestammten Beruf zurückzufinden,
gestaltet sich äußerst schwer. Wenn er während seiner jetzigen Arbeit in einem Fast-Food-Restaurant an seine vergangene zehn jährige Karriere als Reporter denke, versetze ihm das stets einen Stich, berichtet einer der Radiomacher. Für ihn wie für den Rest des multinationalen Teams bedeutet das Radio ein Stück Hoffnung auf einen journalistischen Neubeginn in Deutschland.