Pressespiegel: "On Air: Gewollter Stilbruch auf Frequenz 99,2"

Bild zur Seite

Stuttgarter Wochenblatt, 8.9.2011

Freies Radio feiert Jubiläum - Seit 18 Jahren basisdemokratisch auf Sendung

Das Sendungsspektrum ist fast allumfassend, die verschiedenen Redaktionen für alles. Den ganzen Tag durchhören fällt da manchem vielleicht schwer, aber dafür stößt man auch auf Sachen, die man niemals für interessant gehalten hätte.

Haben Rockstars eine geringere Lebenserwartung als Normalsterbliche? Was für eine Undergroundbewegung gab es in der DDR? Jörg Munder beschäftigt sich in seiner Sendung, mit der er immer am dritten Freitag des Monats um 19 Uhr auf Sendung geht, mit den unterschiedlichsten Themen. "Die Sendung befasst sich mit Medienkultur, da bin ich in der Themenwahl sehr offen", so der Mediendesigner. Eine Stunde Sendung im Monat klinge zunächst nach nicht viel, allerdings bedeutet das jede Menge Vorbereitung, so Munder. Insgesamt über 50 Redaktionen sind beim Freien Radio "beschäftigt".

"Eine Redaktion besteht immer aus mindestens drei Personen", erklärt Joachim Stein, eines der Gründungsmitglieder und seit 17 Jahren auch im Vorstand des Fördervereins.

"Bewerben kann sich jeder, der ein Konzept vor dem Redaktionsplenum vorstellt", erläutert Stein das Sendekonzept. Das Plenum setzt sich zusammen aus Vertretern der einzelner Redaktionen beziehungsweise Sendungen, Vertretern des Vereinsvorstandes und den gewählten Vertretern der Hörer. "Gefällt ein Konzept, wird nach einem passenden Sendeplatz gesucht, aber auch Sendekritik wird im Plenum besprochen."

Entsprechend abwechselnd ist das Programm: "Wir haben ganz verschiedene Musikarten aber auch die Redebeiträge unterscheiden sich sehr. Dass macht es einerseits natürlich schwer, bei den vielen Stilbrüchen den Sender mal einen gesamten Tag durchzuhören, anderseits stößt man auch auf Themen oder Musikstile von denen man nie gedacht hat, dass sie einem gefallen könnten" erklärt Stein die Besonderheit des Radiosenders.

Seinen Anfang hat das Radio im Jahr 1993, nachdem das Landesmediengesetz die Möglichkeit für ein nichtkommerzielles Radio für Baden-Württemberg eröffnet hat und damit zu rechnen war, dass die Landesanstalt für Kommunikation (LfK) Frequenzen dafür ausschreiben wird.

Ein Förderverein wird gegründet, doch die anfangs ambitionierten Pläne der LfK drohen in der Versenkung zu verschwinden. Neues Leben wird der Forderung nach einer eigenen Frequenz durch eine Großkundgebung auf dem Schloßplatz mit mehreren tausend Teilnehmern eingehaucht. Nach etwas hin und her ist schließlich die Frequenz 97,2 für einen Jugendsender ausgeschrieben.

Im Jahr 1995 ist schließlich die erste Sendung des Freien Radios zu hören. "Allerdings noch mit einer sehr schlechten Reichweite und Sendequalität", erinnert sich Stein.
Einen großen entscheidenden Schritt gab es dann erst im Jahr 2003, zehn Jahre nach der Gründung: Der Frequenzwechsel von 97,2 auf 99,2 wird vollzogen.
Das Freie Radio Stuttgart ist endlich im ganzen Stadtgebiet Stuttgart und in der Region zu empfangen.

Das Freie Radio Stuttgart hat sieben Tage die Woche 24 Stunden am Tag auf der Frequenz 99,2 Programm. Außer Mittwochs, von 20 bis 22 Uhr ist ein externer Sender auf der Frequenz. Weitere Informationen zum Programm gibt es auch im Internet unter http://www.freies-radio.de.

Thomas Miedaner