Pressespiegel: "Radio machen kann jeder lernen"

Esslinger Zeitung vom 9.3.2005

ESSLINGEN: Workshop des Freien Radios für Stuttgart im Jugendhaus Komma - Hip-Hoper demnächst auf Sendung

"Radio machen kann jeder lernen", meint Laura Müller. Beim Workshop des Freien Radios für Stuttgart stehen die Teilnehmer anfangs noch etwas ratlos vor den vielen Reglern am Mischpult, doch die Interviews mit Mikrofon und Aufnahmegerät klappen schon ganz gut. Demnächst werden drei Hip-Hop-Fans in Esslingen auf Sendung gehen.
Von Sabine Försterling

Auf der Frequenz 99.2 funkt der Jazz, wird über Kultur geplaudert und erklingt die Stimme Afrikas. Der nicht kommerzielle Sender FRS, von der Landesanstalt für Kommunikation gefördert und auch aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen finanziert, bietet Gruppen, Vereinen und Initiativen ein Sprachrohr. Es gibt rund 150 Amateur-Radiomacher, die regelmäßig das Programm gestalten. Doch es sollen mehr werden. Bisher hatte man sich auf Stuttgart konzentriert.

Auch in Esslingen zu hören

Da seit Mai 2003 der Sender auch in der Region und somit auch in Esslingen zu hören ist, packten Laura Müller und Oliver Kempter das mobile Studio ein und schlugen ihre Zelte im Jugendhaus Komma auf. Am Workshop für Jugendliche nahmen auch Burak, Tolga und Rocco teil. Hip-Hop, RMB und House vereint die Drei und mit dieser Musik wollen sie auch auf Sendung gehen. Sich mit der Technik vertraut machen und dann nur Platten auflegen, damit ist es aber nicht getan. "Bei einem Interview werden keine geschlossenen Fragen gestellt, auf die der Gesprächspartner nur mit Ja und Nein antwortet", erklärt Müller. Gesagt getan, doch die Umsetzung ist gar nicht so einfach. "Wie war's, gut?" fragt der 16-jährige Burak seinen 17-jährigen Gegenüber. Der Zuhörer erfahre nicht, warum Tolga anstatt nach Stuttgart nach München in eine Disco gegangen sei, weist Kempter hin. Ansonsten sei die ganze Sache für das erste Mal "flüssig" gewesen, lobt er.

Sprachlos ohne Fragen

Rocco zeigt sich gewitzt und nervenstark. Nach einem längeren Schweigen, da dem 21-Jährigen keine Frage mehr einfällt, entschuldigt er sich bei den imaginären Zuhörern für die "technische Störung". "Ihr habt Free-Style gefragt", bemerkt Müller. Es sei besser, vorher alles schriftlich zu fixieren. Tolga ist von den technischen Möglichkeiten am Mischpult fasziniert. Automatisch wird bei der Moderation die Musik langsam ausgeblendet. Nun überlegen sich die Jungs, zu welchem Thema sie wen interviewen werden. Dann heißt es nämlich, mit dem Aufnahmegerät losziehen und eine 15-minütige Sendung, in der nur zwei Musiktitel aufgelegt werden dürfen, zusammenzustellen. Geschnitten wird manuell.

Das Team des FRS ist die kommenden drei Monate im Jugendhaus Komma einmal in der Woche vor Ort. Die drei Hip-Hoper werden in Kürze live im Radio zu hören sein. In Zukunft müssen die Jungs dann aber nach Stuttgart fahren. Das mobile Sendestudio, das in einen großen Kofferraum passt, kann jedoch auch ausgeliehen werden. Am 19. bis 20. März können Erwachsene das Radiomachen lernen und anschließend senden. Anfragen unter 07 11/6 40 04 42.
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