Pressespiegel: Weniger Sendezeit, weniger Förderung

Mitglieder dringend gesucht - dem Freien Radio droht das Aus

Lift Ausgabe 3/2006

Fast zehn Jahre schon, seit September 1996, bereichert das Freie Radio für Stuttgart auf der Frequenz 99,2 die lokale Radiolandschaft mit einem bunten Programm abseits des Mainstreams. 250 größtenteils ehrenamtliche Mitarbeiter in 50 Redaktionen ermöglichen diese nichtkommerzielIe Alternative im Äther, die nun akut gefährdet ist: Wird bis Juni ein Finanzloch von 6.000 Euro nicht gestopft, könnte der Sender in der jetzigen Form nicht weiter bestehen. Das Minus rührt vor allem daher, dass das Freie Radio im Januar 2004 auf seiner Frequenz dem Stuttgarter Hochschulradio Horads 32 Stunden Sendezeit abtreten musste. Da die von der Landesanstalt für Kommunikation gezahlten Fördergelder an die Sendezeit gekoppelt sind, bedeutet dies eine Einbuße von 7.200 Euro pro Jahr.

Dieses Geld fehlt nicht nur fur die Miete der Senderäume, es fehlt auch für dringend erforderliche Anschaffungen - "die Technik ist mittlerweile zehn Jahre alt und sehr reparaturanfällig", so Oliver Hermann vom Freien Radio. Einsparungen könnten nur durch die Kündigung von hauptamtlichen Mitarbeitern erfolgen. Damit würde Radiomachen für viele Ehrenamtliche unmöglich. Auch ein Umzug in billigere Räume ist keine ernsthafte Option. "Es war schon unglaublich schwer, vor einigen Jahren die jetzigen Senderäume zu finden, außerdem haben wir in diese enorm hohe Kosten gesteckt", so Irina Bohn vom Freien Radio. Bleiben als Ausweg nur größere Mengen an Spenden und Mitgliedsbeiträgen, weswegen das Freie Radio im Juni 2005 eine Werbekampagne für neue Unterstützer gestartet hat. 1.000 Mitglieder sind das Ziel, trotz allein 100 neuer Unterstützer im vergangenen Jahr dümpelt die Zahl aber wegen gleichzeitiger Austritte momentan bei 500 herum. Daher soll die Kampagne nun forciert werden, Solidaritätskonzerte und -Partys sind geplant.