Wie kam's zum FRS? - Die Geschichte des nichtkommerziellen Lokalsenders in Stuttgart

23. Juni 1993
Erstes Treffen einer Stuttgarter Initiative für ein nichtkommerzielles Radio, nachdem das Landesmediengesetz eine solche Möglichkeit für Baden-Württemberg eröffnet hat und damit zu rechnen ist, dass die Landesanstalt für Kommunikation (LfK) Frequenzen dafür ausschreiben wird.
1. Sept. 1993
Gründungsversammlung des Vereins "Freies Radio Stuttgart", der dann umbenannt wird in "Förderverein für das Freie Radio Stuttgart" (nachdem das Registergericht den ursprünglichen Namen nicht akzeptiert). Gründungsmitglieder sind 43 Gruppen und Einzelpersonen, so u. a.: Stadtjugendring Stuttgart, , Südkultur e. V., IG Medien - Ortsverein Stuttgart, CVJM Stuttgart, Stuttgarter Jugendhaus e. V., Industriegewerkschaft Medien - Druck und Papier, Publizistik und Kunst, Initiativgruppe Homosexualität Stuttgart e.V., DGB Landesbezirk Baden-Württemberg - Abt. Jugend, Zentrales Fachschaftsbüro der Universität Stuttgart, AG weiße Fabrik, KISS e. V., Naturschutzjugend - NABU Gruppe Stuttgart, Bürgerinitiative Neckarstrasse, Kurdisches Solidaritätszentrum, Wagenburg "Wilder Süden", Musikinitiative 42 Vinyl
19. Okt. 1993
Die LfK schreibt Frequenzen aus für nichtkommerzielle Radios in Freiburg, Karlsruhe, Ulm, Schwäbisch Hall, Reutlingen/Tübingen, Freudenstadt/Baiersbronn, Lörrach. Keine Frequenz bekommt Mannheim/Heidelberg. Zu Stuttgart heißt es: nach einer technischen Lösung wird gesucht. Mitte Feb. 1994 Eine Frequenz für Stuttgart ist immer noch nicht gefunden. Als Senderstandort wird das Telekomgebäude am nahezu tiefsten Punkt des Talkessels festgelegt.
8. Juli 1994
Der Förderverein für das Freie Radio Stuttgart wird in das Vereinsregister eingetragen Mai - Juni 1994 Erste Testsendungen auf 97,2 MHz mit 100 Watt. Stereoempfang ist nur in Sichtweite des Hauptbahnhofs möglich. Die LfK bietet Einspeisung ins Kabelnetz an als Bonbon für mangelhafte Reichweite. Mehrere Frequenzvorschläge, die das FRS mit der Telekom zusammen ausgearbeitet hat, werden von der LfK abgelehnt. Oktober 1994 Aus Kreisen der LfK und der Politik wird bekannt, dass die Idee, für Stuttgart einen nichtkommerziellen Lokalfunk (NKL) auszuschreiben, aufgegeben wurde. Der nicht mehr zugelassene Sender Hithouse von Bernie Bernthaler veranstaltet einen Protestevent mit mehreren tausend Teilnehmenden auf dem Schloßplatz und fordert die Politik auf, eine Frequenz für einen Jugendsender freizumachen. Januar 1995 Die CDU-Fraktion im Landtag macht eine Anhörung zur Forderung nach einem Jugendsender. Die AFF als Vertretung nichtkommerzieller Lizenznehmer/innen in Baden-Württemberg ist eingeladen. Im Rahmen dieser Anhörung erklärt der CDU-Fraktionsvorsitzende Günther Öttinger, dass für Stuttgart auf der 97,2 MHz eine Frequenz für einen Jugendsender ausgeschrieben wird.
8. März 1995
Die Low-Power-Frequenz 97,2 MHz mit 100 Watt wird ausgeschrieben für einen nichtkommerziellen Lokalsender in Stuttgart.
April 1995
Ein "Programmrat" erarbeitet ab Herbst 1994 ein Redaktionsstatut und Programmgrundsätze für das FRS.
29. Juni 1995
Das FRS gibt seine Bewerbung ab - trotz der mangelhaften Reichweite des Senders.
8. Juli 1995
Erste Sendung des FRS als Veranstaltungsfunk aus einem Zelt auf dem Schloßplatz.
20. Dez. 1995
Der Vorstand der LfK entscheidet, die 97,2 MHz an das FRS zu geben mit Ausnahme der Zeiten täglich 17 - 20 Uhr (Hithouse), 3 Vormittage (Biblische Glaubensgemeinde) und Mittwoch 20 - 22 Uhr (Radio Kormista). Das FRS wendet sich an den Medienrat, da es ohne die Filetstücke 17 - 20 Uhr keine Zukunft für sich sieht, es nicht mit der Biblischen Glaubensgemeinde in Verbindung gebracht werden möchte und das Konzept von Hithouse nicht der Ausschreibung entspricht.
1. Feb. 1996
Kris Gebhard wird als Hauptamtliche eingestellt auf ABM-Basis.
12. Feb. 1996
Das FRS bekommt die 97,2 MHz ganz außer Mittwochs 20 - 22 Uhr zugesprochen und nimmt an mit dem Hinweis, dass es Anspruch auf eine stärkere Frequenz erhebt und erwartet, dass eine Lösung gefunden wird.
März 1996
Das FRS sucht bezahlbare Räume für ein Studio, was sich als sehr schwierig erweist.
15. Juni 1996
Angemietet wird schließlich das Kellergeschoss eines Wohnhauses in der Falbenhennenstr. 11.
28. Sept. 1996
Sendestart aus dem Studio in der Falbenhennenstr. 11
7. Nov. 1996
Der SDR beanstandet unter Androhung eines Zwangsgeldes von 10.000 DM am 27.08.1996 den Namen Freies Radio Stuttgart, weil er sich die Verbindung "Radio Stuttgart" hat schützen lassen. Erst durch eine Verzichtserklärung des FRS, die Bezeichnung ‚Radio Stuttgart' weder zu benutzen noch in Verkehr zu bringen noch damit zu werben, sieht der SDR von einer Klage ab. Der Sender wird umbenannt in "Freies Radio für Stuttgart". Alle Redaktionen werden aufgefordert, ab sofort nur noch diese Bezeichnung zu verwenden.
1. Juni 1997
Andreas Drechsler wird über einen Dienstleistungsvertrag als Techniker eingestellt.
4. Feb. 1998
Die Räume in der Falbenhennenstraße erweisen sich immer mehr als ungeeignet, sie sind feucht, BewohnerInnen des Hauses fühlen sich durch den Sendebetrieb gestört. Ihre Beschwerden rufen das Baurechtsamt auf den Plan. Es stellt sich heraus, dass die Räume für diese Nutzung nicht zugelassen sind. Das FRS ist wieder auf Raumsuche.
27. Jan. 1999
Die 97,2 MHz wird mit 1000 Watt und Standort Burgholzhof koordiniert. Erste Versuchsabstrahlungen im Februar zeigen, dass der Polizeifunk gestört wird, was möglicherweise an einem Defekt des Sendemastes oder der Rückstrahlung vom Blechdach einer Geschirrhütte, die sich direkt unterhalb des Sendemasts befindet, liegt. Die Kosten für Reparatur oder Abschirmung will niemand übernehmen.
27. Feb.1999
Die Bildzeitung bezeichnet das FRS als "kurdischen Terrorsender". Verschiedene türkische Boulevardblätter schreiben den Artikel ab. Eine Klage auf eine Gegendarstellung endet wegen eines Formfehlers mit einem Vergleich und einer Klarstellung der Bild Stuttgart in der Ausgabe vom 31. Juli 1999. Für die Anwalts- Gerichtskosten wird ein Solidaritätskonto eingerichtet.
7. März 1999
Aufgrund des Artikels in der BILD-Zeitung geht um 6.00 Uhr morgens eine Bombendrohung beim FRS ein. Das Haus wird von der Polizei durchsucht. Es finden sich keine verdächtigen Gegenstände. Die Gegend wird in den Folgetagen verstärkt bestreift. Die Polizei geht davon aus, dass der Sender nach einer anstehenden Verhaftung von PKK-Chef Öcalan von Kurden besetzt wird. Der Sender wird jedoch, entgegen der Vermutung der Polizei, nicht von Kurden besetzt.
2. Mai 1999
Martin Haufler wird als hauptamtlicher Techniker in Teilzeit angestellt.
2000
Die 97,2 mit 1000 Watt wird auf den Standort Müllverbrennungsanlage Münster koordiniert. Der Umzug des Senders scheitert angeblich erst daran, dass ein Turmfalke nistet, dann daran, dass die Steigleiter im Inneren zwar für Müllwerker zugelassen ist, aber nicht für Telekom-Mitarbeiter. Als dies geklärt ist, stellt sich heraus, dass die Luke für den Sender zu klein ist, und eine Außenleiter gebaut werden muss. Der Transport der Trägerantenne ist nur mit einem Helikopter möglich. Bei Gesprächen mit der LfK stellt sich heraus, dass diese den Standort für mehrere Frequenzen nutzen will, damit der hohe finanzielle Aufwand sich lohnt. Die Koordination dieser Frequenzen dauert, die notwendige Frequenzweiche wird mehrmals in Auftrag gegeben und dann wieder modifiziert. Die Herstellungsfirma stoppt daher den Bau der Weiche solange, bis alle Frequenzen feststehen - daher also die Verzögerungen.
15. Mai 2000
Irina Bohn wird eingestellt auf ABM-Basis mit dem Schwerpunkt Mädchen- und Frauenförderung im FRS.
Dezember 2000
Der Mietvertrag für die neuen Räume in der Rieckestraße 24 wird unterschrieben. Die Räume werden mit viel Eigenarbeit umgebaut.
Januar 2001
Das Baurechtsamt droht dem FRS letztmalig mit der Nutzungsuntersagung zum 31. Januar 2001 in der Falbenhennenstrasse. Das Baurechtsamt sieht nur aufgrund einer schriftlichen Verpflichtung des FRS, die Räume bis 31. März 2001 zu räumen, von einer Durchsetzung der Verfügung ab.
Ende April 2001
Das FRS sendet aus dem neuen Studio in der Rieckestraße.
31. Juli 2001
Kris Gebhard verlässt das FRS und geht zu einem Radioprojekt nach Mexiko.
1. Jan. 2002
Oliver Herrmann wird hauptamtlich für Öffentlichkeitsarbeit in Teilzeit angestellt.
August 2002
Die LfK bietet die 99,2 MHz mit 300 Watt als Alternative zur 97,2 MHz mit 1000 Watt an. Die Mitgliederversammlung des FRS empfiehlt den Wechsel unter bestimmten Bedingungen.
19. Dez. 2002
Der Sender zieht provisorisch mit 97,2 MHz und 100 Watt auf das Kraftwerk Münster um. Die Frequenzweiche ist noch nicht fertig. Die Reichweite ist etwas besser, an manchen Stellen ist der Empfang schlechter.
14. April 2003
Das FRS sendet parallel auf 97,2 MHz und 99,2 MHz vom Kamin des Kraftwerks Münster aus.
1. Mai 2003
Der Frequenzwechsel von 97,2 MHz auf 99,2 MHz ist vollzogen. Auf 97.2 MHz läuft nur noch eine Endlosdisk mit dem Hinweis auf die neue Frequenz 99,2 MHz. Das FRS ist endlich im ganzen Stadtgebiet Stuttgart und in der Region zu empfangen - nach fast 10 Jahren.
6. Juni 2003
Die Geschichte geht weiter: Das FRS muss sich erneut um die Lizenz bewerben, die Lizenzierungsperiode geht am 31.12. 2003 zu Ende.
1. Jan. 2004
Die neue Lizenzierungsperiode beginnt, das FRS muss sich nun die Frequenz 99.2 MHz mit dem Hochschulradio Stuttgart (HoRadS) teilen. Das bedeutet 32 Stunden Sendezeit weniger die Woche und 7200 Euro weniger an Fördergelder der LfK. Das FRS legt Widerspruch ein..
26. April 2004
Nachdem der Widerspruch gegen die Aufteilung der Frequenz von der LfK abgelehnt wurde, reicht das FRS Klage beim Verwaltungsgericht Stuttgart ein.
28. Sept. 2006
Das FRS wird zehn Jahre alt! Um 12 Uhr am 28.9.1996 ging die erste reguläre Sendung on Air.
1. Jan. 2010
Das FRS erhält seine Vollfrequenz zurück, nachdem zwischenzeitlich das Hochschulradio Stuttgart eine eigene Frequenz erhalten hat. Die Klage von 2004 wird daraufhin fallengelassen.
2. und 3. September 2011
Ein Doppelgeburtstag wird gefeiert: 18 Jahre Förderverein und 15 Jahre auf Sendung!
Im Hof der Rieckestr. feiern MacherInnen und HörerInnen bei schönstem Wetter, Leckereien vom Grill und Buffet. Dazu feinsinnige Unterhaltung mit MC Orgelmüller.
März 2013
Kündigung der Räume in der Rieckestr. mit 6-monatiger Kündigungsfrist
29. April 2013
LFK Medienpreis für das FRS in der Kategorie "Nichtkommerzielle Veranstalter / Hochschulen/Ausbildungseinrichtungen" für den Beitrag "Mittendrin – Mein Leben in Stuttgart und davor" (Preis geteilt mit der UniWelle Tübingen)
1. Juni 2013
Nach kurzer aber intensiver Suche und viel Unterstützung finden wir ein neues Domizil in der Stöckachstr. 16a. Der Förderverein mietet die deutlich größeren Räume zum 1. Juni an.
Juni-Oktober 2013
Planung und Realisierung der notwendigen Um- und Einbauten beginnen:
Aufträge für die Baumaßnahmen in den neuen Räumen werden an Handwerker vergeben, aber auch in viel Eigenleistung vorgenommnen.
- Einbau zweier Studioräume
- Neue Netzwerkverkabelung
- Neuverlegung Stromversorgung
- Einbau neues elektronisches Zugangssystem
- Einbau einer Küche
Parallel dazu müssen wir uns um den Rückbau der alten Räume in der Rieckestrasse bis 1.10. kümmern: Abriss der Zwischenwände und die fachgerechte Entsorgung der Materialien
25. September 2013
Um 22 Uhr geht die "Lavalampe" als erste Sendung aus dem neuen Sendestudio in der Stöckachstr. 16a on Air!
Ende Nov. 2013
Alle Räume in der Stöckachstr. sind fertig gestellt, außer das Foyer, das als Veranstaltungsraum für Livesessions eingerichtet werden soll.
23. Januar 2014
Gründung der Kultur AG, um im Foyer Konzerte, Lesungen, Vorträge zu veranstalten und Ausstellungsmöglichkeiten schaffen. Die erfolgreichen Livesessions in der Rieckestraße sollen unter besseren Bedingungen wiederbelebt werden, MusikerInnen, AutorInnen und DJs werden live aus dem FRS senden – und wer mag, kann nicht nur über den Sender zuhören, sondern im Radio auch zusehen.
12. Mai 2014
LFK Medienpreis für das FRS in der Kategorie "Nichtkommerzielle Veranstalter / Hochschulen/Ausbildungseinrichtungen" für den Beitrag "Spurensuche – Jugendliche entdecken unsere Stadt" (Preis geteilt mit der UniWelle Tübingen)
8. Juli 2014
Erste Veranstaltung des neuen Live-Formats "radioSCHAUen – Ihre Ohren werden Augen machen!"
Zu Gast der Filmemacher und Autor Wenzel Storch, in Kooperation mit Wand 5 e.V.