Pressespiegel: "Der Tanz sieht aus wie Skigymnastik"

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Stuttgarter Nachrichten vom 03. September 2008

Matthias Häußer will die hiesige Ska-Szene mit einer CD und einer Radiosendung ins Rampenlicht rücken

Das Herz von Matthias Häußer schlägt für Ska. Wenn der Informatiker nicht im Büro sitzt, geht er mit seiner Lieblingsmusik im Radio auf Sendung oder zieht durch Stuttgart und die Welt, um auf den Offbeat zu tanzen. Kürzlich veröffentlichte er den Benefiz-Sampler "Ska 21" mit Bands aus Stuttgart und der Umgebung.
Von Martina Gauder

Gelassen sitzt Matthias Häußer am Wilhelmsplatz und trinkt ein Pils. Seine rechte Schulter ist nach einem Fahrradunfall bandagiert, aber der Freizeitsportler nimmt es lässig. "In zwei Wochen müsste alles wieder in Ordnung sein", sagt der gebürtige Böblinger grinsend. Zeitlich genau richtig für die Reise, die den 35-Jährigen zu Ska-Konzerten und Radiosendungen von Moskau über Dublin nach London führen wird.

Begonnen hat Matthias Häußers Liebe zu Ska vor 17 Jahren. Damals besuchte er ein Konzert der Stuttgarter Ska-Band No Sports - jetzt Nu Sports - in einem Jugendhaus und war sofort begeistert. "Bei dem Rhythmus muss ich einfach mitgehen", erklärt er. "Und die Bläser finde ich toll!" Seitdem widmet er sich leidenschaftlich gern der Musikrichtung mit dem markanten Offbeat-Rhythmus, die Ende der fünfziger Jahre in Jamaika entstand und Mitte der Achtziger unter anderem nach Stuttgart kam.

"Aus dem Ska ist etwas später der langsamere Rocksteady und der Reggae entstanden - viele denken, es wäre andersrum gewesen", sagt Matthias Häuser, der vor acht Jahren von Tübingen nach Stuttgart gezogen ist. Außerdem würden sich die Fangemeinden unterscheiden: "Die Ska-Leute trinken Bier, die Reggae-Leute kiffen", bringt es Matthias Häußer auf eine Formel. Ansonsten tragen Ska-Fans Hosenträger und Pork-Pie-Hüte und sind am Schachbrettmuster auf Schuhen, Hosen oder Polohemden zu erkennen. Das schwarz-weiße Symbol des Skas stehe für Antirassismus, erklärt er.

"Die Ska-Szene in Deutschland erlebt immer wieder Aufs und Abs", sagt der Informatiker. Klein sei sie, aber lebendig. So auch in Stuttgart: "Es gibt immer wieder Konzerte, vor allem im Zwölfzehn, im Landespavillon und in der Kulturarena in Wangen."

Vergleichen kann er die Szene hier mit der im Ausland: In England, Australien, Kanada, Japan, und Jamaika hat er unter anderem nach Ska Ausschau gehalten. Dabei hat er entdeckt, dass der Ska auf Jamaika zwar von Dancehall überholt worden ist, aber vor allem in Japan und auf dem amerikanischen Kontinent viel geskankt wird. Skanken ist der für Ska typische Tanzstil. "Das sieht ein bisschen aus wie Skigymnastik auf der Stelle, aber es ist tatsächlich sehr schweißtreibend", sagt Matthias Häußer lachend.

Nach einem Radioauftritt im australischen Brisbane, bei dem er Ska-Musik aus Tübingen auflegte, kam ihm die Idee für eine eigene Sendung in Stuttgart. Vor fünf Jahren stellte er das Programm "File under Ska" im Freien Radio für Stuttgart auf die Beine. Zusammen mit Kollegen Martin und Daniel sendet er seitdem monatlich drei Stunden fetzige Musik, "weil es hier sonst nicht viel Ska im Radio gibt". Jeweils den ersten, dritten und fünften Freitag im Monat gehen sie von 20 bis 21 Uhr auf Sendung.

Auf einer langen Autofahrt in Kanada im letzten Jahr sei ihm dann die Idee für die Stuttgarter Ska-CD gekommen. 21 Bands aus Stuttgart und der Region - unter anderem sind Nu Sports, Soulfood International, Los Skalameros, Blue babies, Piracy dabei - steuerten teils unveröffentlichte Lieder für den Sampler bei. Dass dieser nun den Namen "Ska 21" trägt, sei aber keine politische Anspielung auf Stuttgart 21: "Wir hatten 21 Bands und haben nach einem passenden Namen gesucht."

Wenn Matthias Häußer bald wieder auf Tour durch Europa geht, wird der Sampler mit im Gepäck sein. "Die Stuttgarter Bands werden dann dort im Radio zu hören sein." Denn statt in Jamaika lebe der Ska nun eben hier weiter.

Der Sampler "Ska 21" kostet 10 Euro und ist über www.ska21.de oder beim Freien Radio in der Rieckestraße 24 erhältlich.