Pressespiegel: Die Stimme der rumänischen Gemeinde Stuttgarts

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Stuttgarter Zeitung vom 08. August 2006

Vereinsleben in Stuttgart: Das Deutsch-Rumänische Forum Stuttgart setzt sich für den Dialog zwischen den Kulturen ein
Von Katharina Schönwitz

Eine klassische Melodie des rumänischen Komponisten George Enescu macht den Anfang. Erst lauter, nach ein paar Takten wieder leiser, dann setzt die Stimme Florin Zaheus ein: "Freies Radio Stuttgart, auf der Frequenz 99,2 und im Kabel auf 102,1. Die Stimme der rumänischen Gemeinde Stuttgarts." So beginnt das Jingle, also das akustische Logo der Radiosendung des Deutsch-Rumänischen Forums im Freien Radio Stuttgart. Jeden Mittwoch von 14 bis 15 Uhr geht diese Sendung über den Äther. Verschiedene Nachrichten aus Rumänien und rumänische Musik sind die Hauptbestandteile. "Die Nachrichten lesen wir allerdings auf Deutsch vor", erklärt der Präsident des Vereins, Florin Zaheu. "Die Musik ist auf Rumänisch."

Die einstündige Sendung soll nicht nur die Rumänen interessieren, sondern auch Deutsche. Denn der Verein möchte mit seinem Radioprogramm Rumänien bekannter machen. "Viele Deutsche wissen kaum etwas über meine alte Heimat", sagt Zaheu, "und genau das möchten wir ändern."

Die Sendung ist nicht live, sondern sie wird vorproduziert. Jeden Dienstagabend treffen sich etwa zehn Vereinsmitglieder zu einer Redaktionskonferenz. Aber es wird nicht nur gearbeitet: Der Abend wird dazu genutzt, sich den neuesten Klatsch zu erzählen, Rumänisch zu sprechen oder Rat bei den anderen einzuholen. Deswegen ist auch die Rumänin Raluca Georgescu dabei. Sie studiert in Stuttgart technische Betriebswirtschaftslehre, und sie vermisst manchmal den Rückhalt ihrer Familie. "Hier kann ich immer herkommen, wenn ich Hilfe brauche. Egal, ob ich ein persönliches Problem habe oder ich nur ein paar Leute brauche, die mir beim Umziehen helfen", erzählt Georgescu.

Weitere Mitglieder des Deutsch-Rumänischen Forums haben es sich inzwischen im Besprechungsraum des Freien Radios gemütlich gemacht: Butterbrezeln werden herumgereicht, rumänischer Schokoladenkuchen und Apfelsaftschorle stehen bereit. Alle Mitglieder des Forums haben irgendetwas mit Rumänien zu tun. Manche sind Spätaussiedler aus Hermannstadt (Sibiu) in Siebenbürgen, viele sind Rumänen, wieder andere sind Deutsche, die mit einer Rumänin oder mit einem Rumänen verheiratet sind.

Florin Zaheu ist 38 und der Liebe wegen nach Deutschland gekommen. Er spricht fließend Deutsch, mit kratzigen r. Sein rot-beige-blau gestreiftes Hemd ist adrett gebügelt. Seine dunklen Haare fallen ihm immer wieder in die Stirn. "Ich habe meine Frau während eines Urlaubs am Schwarzen Meer kennen gelernt. Sie ist eigentlich aus Ostberlin und hat, nachdem wir uns kennen gelernt haben, jeden Urlaub bei mir in Bukarest verbracht. Nach der Wende bin ich dann zu ihr gezogen, und von da aus ging es aus beruflichen Gründen nach Stuttgart."

Einen Verein zu gründen war eigentlich nicht das Ziel des gelernten Heizungsbauers. Angefangen hat alles 2004 mit einem Ausflug zum Fußball-Qualifikationsspiel Tschechien gegen Rumänien. Ursprünglich wollten 20 Leute das Spiel anschauen, am Ende fuhren sie mit drei Bussen und 154 Deutschen und Rumänen nach Tschechien. Als Nächstes organisierte er eine Bustour zum rumänischen Konsulat nach München. "In Rumänien fanden gerade die Wahlen statt, und wir wollten auch unsere Stimme abgeben. Das ging nur in München." Beim Sommerfestival der Kulturen bauten sie einen Stand auf mit rumänischer Literatur, Filmen, rumänischem Wein, Bier und verschiedenen kulinarischen Spezialitäten. "Da wir auf einmal Geld einnahmen, beschlossen wir, den Verein zu gründen. Das war im April 2005."

Auf Sendung beim Freien Radio Stuttgart ist das Deutsch-Rumänische Forum seit September 2005. Nachrichten aufnehmen, moderieren und den Umgang mit dem Hörfunkstudio haben die Mitglieder in Kursen des Freien Radios gelernt. "Alle dürfen bei uns ans Mikrofon. Deswegen ist es sinnvoll, dass auch möglichst viele die Technik bedienen können", erzählt Florin Zaheu.

Wieder geht die Tür des Freien Radios auf, und Joscha Remus kommt herein. Der Journalist zeigt den anderen stolz sein frisch gedrucktes Buch: "Kulturschock Rumänien". Ein über 300 Seiten starker Reiseführer. Auch Remus ist Mitglied im Deutsch-Rumänischen Forum. "Ich habe Vorfahren in Rumänien, und meine Frau ist ebenfalls Rumänin. Mit 16 war ich das erste Mal da, seitdem hat mich das Land nicht mehr losgelassen." Bei den Vereinsmitgliedern konnte er für sein Buch immer wieder nachfragen, wenn er etwas nicht verstand oder nicht kannte.
In die rumänische Politik möchte sich das Deutsch-Rumänische Forum nicht einmischen. Allerdings engagieren sie sich gerne für ein Miteinander der Kulturen in Stuttgart.

Drei Stunden später ist die Radiosendung fertig produziert. Am nächsten Tag wird sie ausgestrahlt. Nach Hause geht trotzdem noch niemand. Es gibt noch so viel zu erzählen. Auf Deutsch und Rumänisch.