Pressespiegel: Freies Radio geht im Osten auf Sendung

Stadtanzeiger Woche 15/2006

Finanzmisere: Durch Sendezeitverlust weniger Fördergelder - Einsparungen durch Kündigung?
Stuttgart-Ost, das ist doch beim Gaskessel? Das Industrie-Wahrzeichen fällt den meisten spontan zu diesem Stadtteil ein. Und klar, den Südwest-Rundfunk, der hier seinen Hauptsitz hat kennt auch fast jeder. Daneben bietet aber Stuttgart-Ost jede Menge an kulturellen Möglichkeiten, Vereinen und Initiativen. Außerdem wird aus diesem Stadtteil noch ein anderer Radiosender betrieben, nämlich das Freie Radio Stuttgart.

Weder in Reichweite, noch in seiner Hörerschaft so stark wie der Sender aus der ARD-Familie. Dafür aber mit einer Vielfalt und Individualität ausgestattet, die das Reinhören zum Erlebnis machen kann. Seit bald zehn Jahren sendet nun das Freie Radio für Stuttgart (FRS) sein nichtkommerzielles Programm in Stuttgart und der Region. Das FRS macht Radio von unten, versteht sich als Gegenöffentlichkeit, bietet Menschen und Meinungen, die nicht im Mainstream schwimmen, einen Platz. Das Programm ist bunt und vielfältig; politische Magazine wechseln sich ab mit Musiksendungen von Klassik bis Drum'n'Bass, mehrsprachige Sendungen von MigrantInnen mit Literatur und Kunst. Gerade in den Bereichen Literatur und Musik bietet das FRS Kunstschaffenden eine leicht zugängliche Medienplattform, und zwar auch jungen und noch nicht etablierten. Aber auch für MigrantInnen ist das Freie Radio oft die einzige Möglichkeit, Kultur und Politik in der eigenen Sprache zu verbreiten. In mehr als 50 Redaktionen produzieren über 250 Menschen ehrenamtlich Beiträge und tragen so zum Gelingen des Projektes "FRS" bei.
Über die redaktionelle Arbeit hinausgehend legt das Freie Radio für Stuttgart großen Wert auf medienpädagogische Projekte. Im Rahmen eines dreijährigen Projektes zur Ganztagsschule bietet das Freie Radio an zwei Nachmittagen in der Woche eine Radio AG am Stuttgarter Zeppelin-Gymnasium an.

Doch jetzt droht akute Gefährdung. Wird ein Finanzloch von 6000 Euro nicht gestopft, könnte der Sender in der jetzigen Form nicht weiter bestehen. Das Minus rührt vor allem daher, dass das Freie Radio im Januar 2004 auf seiner Frequenz dem Stuttgarter Hochschulradio Horads 32 Stunden Sendezeit abtreten musste. Da die von der Landesanstalt für Kommunikation gezahlten Fördergelder an die Sendezeit gekoppelt sind, bedeutet dies eine Einbuße von 7200 Euro pro Jahr.

Dieses Geld fehlt nicht nur für die Miete der Senderäume, es fehlt auch für dringend erforderliche Anschaffungen wie beispielsweise neuerer Technik. Einsparungen könnten nur durch die Kündigung von hauptamtlichen Mitarbeitern erfolgen. Damit würde Radiomachen für viele Ehrenamtliche unmöglich. Auch ein Umzug in billigere Räume ist keine ernsthafte Option. Bleiben als Ausweg nur größere Mengen an Spenden und Mitgliedsbeiträgen, inklusive einer Werbekampagne für neue Unterstützer.