Pressespiegel: Italien ist Stuttgart näher als Amerika

Stuttgarter Wochenblatt, 29.5.2013

Italien ist Stuttgart näher als Amerika
Elena Maslovskaya und Jörg Munder vom Freien Radio für Stuttgart gewinnen Landesmedienpreis
Von Thomas Miedaner

Sie heißen Katia, Ali, Francois, Magdalena, George, Mark, Claudia und Noureddine und sie haben eines gemeinsam: Sie sind Migranten und Migrantinnen und leben schon lange in Stuttgart. In der Radiosendung „Mittendrin – Mein Leben in Stuttgart und davor“ sprechen sie über ihr Leben in der schwäbischen Hauptstadt. Die Produzenten Elena Maslovskaya und Jörg Munder vom Freien Radio für Stuttgart haben in der Sendung vor allem herausgestellt wie sich das Alltagsleben der acht gestaltet und was sie verbindet mit anderen Migranten und gebürtigen Schwaben.

Vor der Frage Amerika oder Deutschland stand die Familie Katia Manzi: „Deutschland war näher, also ging es nach Stuttgart“, sagt die Tochter eines italienischen Einwanderers. George Appiah kam mit seinem Vater als Asylbewerber mit 11 Jahren nach Stuttgart. Sie arbeitet heute im Restaurant ihrer Familie, er hat leitet eine Sportschule für eine vietnamesische Kampfsportart. Der eine kommt an bei strahlender Sonne auf einem Schlossplatz voller Menschen, der andere bei Regenwetter und leeren Straßen. Und jeder hat eine spannende Geschichte zu erzählen. „Für uns stand im Vordergrund, dass die Interviewten offen ohne Hemmungen sprechen“, sagt Jörg Munder. Damit das auch gelingt haben sich Munder und Maslovskaya auf den Plätzen getroffen, wo sich die Stuttgarter mit migrantischen Wurzeln am wohlsten fühlen. „Das war mal ein marokkanisches Restaurant und mal der Hauptbahnhof“, sagt Maslovskaya.
Das gerade die acht Personen in die Sendung gekommen sind, war auch Zufall: „Einen Teil kannten wir persönlich, einen Teil haben wir über Freunde und Bekannte kennengelernt.“ Und sie halten zu allen noch Kontakt. Die beiden haben die Sendung im Rahmen des Radioprojektes „Multicolor – alles außer hochdeutsch“, produziert. „In Stuttgart leben mehr als 40 Prozent Menschen mit Migrationshintergrund. Das Kulturprogramm, gerade im Radio- und Fernsehangebot, ist für diese Zielgruppe aber sehr unterrepräsentiert“, sagt Maslovskaya. Oft werde nur sehr oberflächlich über Menschen mit Migrationshintergrund berichtet: „Und Migranten sind nicht gleich einfach nur ein Kopftuch“, sagt Malsovskaya.
Drei Mal im Monat sind sie im Freien Radio für Stuttgart auf Sendung. Für die Sendung „Mittendrin“ haben sie aber besonders viel Zeit investiert und wurden hierbei auch vom Forum der Kulturen unterstützt. „Wir hatten zwei bis drei Stunden Rohmaterial aus jedem Interview. Das war sehr viel Arbeit bis die einstündige Sendung fertig war“, erinnert sich Munder. Arbeit, die ich gelohnt hat, denn immerhin haben sie den Medienpreis der Landesanstalt für Kommunikation in der Kategorie „Nichtkommerzielle Veranstalter“ gewonnen. „Wir sind auch unabhängig von dem Preis sehr stolz auf unsere Sendung“, sagt Malsovskaya. „Es ist uns gelungen die Normalität der Migranten hervorzuheben und nicht die Unterschiede und das war auch unser Ziel.“ Sie können sich auch gut vorstellen die Reihe fortzusetzen, wenn sich wieder ein Kooperationspartner findet. „Die Arbeit hat wahnsinnig viel Spaß gemacht“, so Munder.
Informationen über Sendetermine von „Multicolor“ und das Freie Radio für Stuttgart gibt es im Internet unter www.freies-radio.de.

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