Pressespiegel: Künstler finden CDU gut

Lift, Juli 1997

Interview mit der Jungen Union zur Subkultur

Die Jugendorganisation der CDU sucht neue Themen. Jetzt diskutieren sie mit Günther Oettinger und Fürstin Manuela von Cube über das Thema "Subkultur als Standortfaktor", fordern aber gleichzeitig das Ende des Freien Radios. Der JU-Chef Tobias Zink und sein Pressemann Oliver Kirchner versuchen zu erklären.

Warum ist Stuttgart für Kreative nicht attraktiv?
Zink: Das behauptet die eine Gruppe der Kreativen, die dann nach Berlin oder Hamburg geht. Die andere bleibt hier und engagiert sich z. B. in Initiativen. Das Problem ist, daß diese dann nicht gefördert werden, zum Teil wird unprofessionell gearbeitet.

Wer ist hier unprofessionell?
Zink: Oft genug auch die Kreativen, wenn es darum geht, die Ideen zu vermarkten.

Eine Medien-Initiative, die von Backes und Co., ist in der Folge der Senderfusion entstanden, die wiederum Teil der verfehlten Medienpolitik von Erwin Teufel ist.
Zink: ... Schuld hin oder her - wichtig ist, daß mal ein Anfang gemacht wird.

Rezzo Schlauch hatte Medien und Kultur zu seinem Thema im OB-Wahlkampf gemacht - mit Erfolg. Hängt die CDU sich da dran?
Zink: Die CDU ist in vielen Themen nie ganz vorne dran, wie z. B. Umweltschutz. Die Initiative von Schlauch ist sicherlich hilfreich, um die Diskussion voranzubringen.

Warum beschäftigt sich die JU damit?
Kirchner: Das ist nicht neu. Das Thema Lebensqualität in Stuttgart verfolgen wir schon seit längerem, wie die Aufhebung der Sperrzeiten, belebte Plätze, Großereignisse. Das ist auch ein wirtschaftlicher Standortvorteil. Stuttgart wird nicht durch das Media-Forum zum Medien-Standort ...

**... das die Politik verantworten muß ... **
Zink: Nein, eher Privatinvestoren.
Kirchner: Es hat jedenfalls kein Geld gekostet. Den richtigen Weg macht uns Andreas "Bär" Läsker vor. Da wächst was zusammen. Hier muß die Stadt ansetzen.

Die Junge Union möchte die Kultur nicht mehr den Linken überlassen?
Zink: Viele Künstler halten CDU-Politik für gut. Ich persönlich gehe lieber irgendwo hin, wo es versiffter ist und nicht in einen arschgeputzten Konsumtempel.

Was ist Subkultur - Boutique Pompöös oder das Freie Radio?
Kirchner: Weder noch - aber Kreative wie z. B. Mode-Leute oder Medienschaffende wollen in einer Stadt leben, in der man abends weggehen kann. Da spielt Subkultur eine große Rolle.

Günther Oettinger, Fürstin Manuela von Cube stehen nicht im Verdacht, Teil der Subkultur zu sein. Das Freie Radio, dessen Abschaffung die JU fordert, schon eher.
Kirchner: Das Freie Radio ist nicht unbedingt Subkultur, sondern Alternativkultur.

Subkultur ist Kultur abseits der Hochkultur ...
Zink: Subkultur prägt neue Entwicklungen, die dann nachher auch von der Kommerzkultur übernommen werden.

Jetzt klagen Sie die "Subkultur als Standortfaktor" ein und möchten das Freie Radio abschalten?
Zink: Subkultur hat auch mit Niveau zu tun.
Kirchner: Bernie Bernthaler hat man den Sender zugemacht, obwohl er der Stadt weitaus mehr an Lebensgefühl gebracht hat als das Freie Radio.

Woher wissen Sie das?
Zink: Ich rede mit einer Menge Jugendlicher, das Freie Radio kennt niemand.

Hat Subkultur auch was mit Minderheiten zu tun?
Zink: Für die gäbe es die Möglichkeit, Fensterprogramme zu machen. Wir fordern einen Sender, der Lebensgefühl rüberbringt.

Vermittelt das Freie Radio kein "Lebensgefühl"?
Zink: Stuttgart ist doch nicht langweilig und spröde. Dort werden in erster Linie Bedürfnisse einer Minderheit befriedigt. Die breite Mehrheit der Jugendlichen denkt anders.

ABRA