Pressespiegel: Sendestudio statt Schulbank

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Stuttgarter Zeitung, 3.11.2012

Sendestudio statt Schulbank

Schüler machen Radio: Das Stadtmedienzentrum und das Freie Radio unterstützen das Neue Gymnasium in Feuerbach bei einem Seminarkurs.
Von Eva-Maria Manz

Du bist ,on air‘!“ Die 17 Schüler des Seminarkurses am Feuerbacher Neuen Gymnasium werden diesen Satz zwar jetzt noch nicht zu hören bekommen, doch die ersten Schritte in Richtung Radiokarriere sind sie gegangen. Die Jugendlichen haben etwas zu sagen – und das sollen möglichst viele Stuttgarter hören. In einem Pilotprojekt wird über einen Seminarkurs am Neuen Gymnasium ein Schüler-Radiosender etabliert. Die Beiträge sollen auf dem Schulgelände in der Pause gesendet werden, aber auch im Freien Radio Stuttgart und auf einer Internetseite erscheinen. Es gibt bereits einen Sendetermin: den 4. Dezember. „Ich hoffe, dass wir dann schon einiges erarbeitet haben“, sagt der Lehrer Michael Rollmann. Die Schüler haben jetzt eine Einführung ins Thema Radio im Stadtmedienzentrum bekommen. Einen Tag lang hat Bernd Füllgrabe vom Freien Radio Stuttgart den Nachwuchsjournalisten erzählt, was es heißt, einen Beitrag vorzubereiten, worüber man berichten darf und worüber nicht, welche journalistischen Formen es gibt und was die Tücken und Herausforderungen bei Interviews sind. Die 16-Jährigen haben viel nachgefragt, erzählt Füllgrabe, schließlich wollen die Jugendlichen bald selbst Beiträge erstellen. Drei Stunden in der Woche sind an Gymnasien generell für den Seminarkurs vorgesehen – und die Schüler können ihre Note in diesem Kurs auf den Abiturschnitt anrechnen lassen. „So lohnt es sich für die Schüler doppelt“, sagt Rollmann, der schon lange die Idee zu einem Schulradio hatte.
Mit seinem Projekt übernimmt das Feuerbacher Gymnasium eine Vorreiterrolle. Künftig sollen noch mehr Schulen Lust aufs Radiomachen bekommen. Michael Rollmann hatte mit seiner Radioidee den Leiter des Stadtmedienzentrums, Johannes Gienger, angesprochen, der begeistert war. „Ich bin selbst Lehrer und habe festgestellt, dass aus solchen Projekten oft mehr Kreativität und Produktivität entsteht als im normalen Unterricht.“ Die beiden Lehrer haben das Freie Radio ins Boot geholt, wo einige Schüler-Radiobeiträge in Zukunft einen festen Platz im Programm bekommen sollen.
Die Schüler des Neuen Gymnasiums wollen später einmal andere Schulen beraten, die eine Radio-Arbeitsgemeinschaft gründen. „Es ist im Prinzip nicht aufwendig. Tonspuren schneiden kann man mit den ältesten Computern“, meint Michael Rollmann. Das Neue Gymnasium in Feuerbach ist technisch gut ausgestattet, es wurden sogar eigene Aufnahmegeräte angeschafft. Jetzt müssen die jungen Radiojournalisten nur noch Ideen haben. „Jeder hat schon Themen, die er gern im Radio hören würde“, sagt die 16-jährige Julia. Über Politik wolle man natürlich berichten, aber auch aktuelle Musik senden und besprechen. Der 15-jährige Philipp möchte ein paar Promis ins Studio einladen. „Es kommen doch viele Berühmte ursprünglich aus Stuttgart – Cro oder so“, sagt er. „Jedenfalls wird unser Sender megacool.“
Doch jetzt heißt es erst einmal: Grundlagen lernen, üben, die eigene Stimme und Sprechgeschwindigkeit testen. Die Schüler können derweil auch die Räume und Geräte des Stadtmedienzentrums nutzen, erhalten Fortbildungen und besuchen Workshops. Schulen, die sich für das Radioprojekt interessieren, können sich unter der Adresse gienger [at] lmz-bw [dot] de oder unter der Telefonnummer 2 85 08 42 melden.

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