Pressespiegel: "Was machen Sie mit einer Million Euro?"

Stuttgarter Wochenblatt vom 13.November 2006

Junge Reporter vom Zeppelingymnasium befragen Passanten am Stöckach - Eine Kooperation mit dem Freien Radio

Auf Initiative des Stadtjugendrings Stuttgart kam es zu einer Kooperation des Freien Radios für Stuttgart mit dem Zeppelin-Gymnasium. Mit Blick auf die Ganztagsschule erarbeitete die Schule auch mit dem Jugendrotkreuz Stuttgart sowie der Deutschen Jugend aus Russland zusätzliche Lernangebote am Nachmittag. Das Projekt wird aus Mitteln des Fonds der Stadt Stuttgart "Zukunft der Jugend" finanziert.

STÖCKACH - Die 26-jährige Sozialpädagogin und langjährige Radiomacherin beim Freien Radio für Stuttgart, Melanie Moll, bietet am Zeppelin-Gymnasium und in den Räumen des Freien Radios für Stuttgart die AG "School on air" an. Das bedeutet Schule auf Sendung und ist ein zusätzliches, kreatives Lernangebot für Schüler der Klassenstufen 5, 6 und 7. Gleich in der Nähe zum Zeppelin-Gymnasium liegen die Aufnahmestudios des Freien Radio für Stuttgart in der Rieckestraße 24.

Melanie Moll und ihre Schützlinge sitzen dort im Besprechungsraum und bereiten eine Umfrage vor. Zunächst klärt sie mit den Schülern, was eine Umfrage überhaupt ist. Wichtig ist zum Beispiel, nur eine Frage zu stellen. "Vor allem sollte es eine Frage sein, die offen beantwortet werden kann, nicht nur mit ja oder nein", erklärt sie den Schülern. Frühere Umfragenbeispiele wie die Frage nach dem "Tier des Monats" werden vorgespielt. Den verschiedenen Aufnahmen hören die Schüler nach anfänglicher Unruhe konzentriert zu. Auch zur Umfrage nach dem Traumberuf gibt es einige Hörbeispiele von Melanie Moll.

Schließlich geht es zum eigenen Ideen sammeln - und eine Vielzahl davon prasselt auf die junge Pädagogin ein. Schnell wird die Frage "Wie finden Sie Frau Merkel?" wieder verworfen. Dann folgen "Wer ist Ihr Lieblingsstar ?", "Was ist Ihre Lieblingssportart?", "Was finden Sie an Stuttgart schön?", "Was war Ihr schönstes Erlebnis?" bis hin zur revolutionären Frage "Was würden Sie an der Welt ändern, wenn Sie es könnten?"

Nach etlichen Diskussionen einigen sich die Schüler mehrheitlich auf die Frage: "Wenn Sie eine Million Euro gewinnen würden, was würden Sie tun?" Melanie Moll verteilt die Aufnahmegeräte und Mikros, die für dieses Projekt angeschafft wurden, und lässt die Schüler die Geräte mit den Mini-Discs austesten.

Die jungen Reporter müssen überprüfen, ob ihre Geräte optimal ausgesteuert sind. Wenn die Aufnahmen im Kasten sind, werden sie später einmal unter Anleitung auch deren digitalen Audioschnitt vornehmen. Doch zunächst geht es auf die Straße. Die Schüler teilen sich in Zweiergrüppchen auf und bekommen erst Mal das Misstrauen der auf der Straße angesprochenen Menschen zu spüren. Nicht jeder ist auskunftsbereit, nicht jeder hat Zeit und schon gleich gar nicht jeder redet offen über das Thema Geld. Auch das erfahren die Sechstklässler in der Neckarstraße.

Umfragen auf der Straße durchzuführen, kann ein hartes Brot sein. Jan Beganovic, 12, und Hüseyin Demirci, 11, kommen aber dennoch zu ihren Aufnahmen. Die eigene Immobilie und Aktien werden häufig als Anlage angegeben. Und natürlich auch tolle Reisen.

Gar nicht mal so selten wollen die Menschen aber auch mit 1 Million Euro im Rücken nichts Bahnbrechendes in ihrem Leben verändern. "Hauptsache, man ist zufrieden mit seinem Leben", meint ein Herr auf der Straße. Wohingegen eine junge Mutter mit Kind sich schon in der Traumimmobilie wohnen und in einem flotten Flitzer fahren sieht.