11.07.2018 07:00 Uhr Inforedaktion

Sondersendung zur Urteilsverkündung im NSU-Prozess

Bild zur Sendung

Für die Berichterstattung am 11. Juli anlässlich der Verkündung des Urteils im NSU-Prozess vor dem Münchner Oberlandesgericht haben wir uns als Aktive mehrerer freier Radios zu einer überregionalen Redaktion zusammengetan. Wir wollen diesen Tag nutzen, um erneut auf die Dimension der Taten des NSU hinzuweisen. Dabei wollen wir der These der Staatsanwaltschaft – dass es sich beim NSU schlicht um ein Terror-Trio gehandelt habe – eine andere Sichtweise entgegensetzen. Die Taten des NSU wären ohne ein breites UnterstützerInnen-Netzwerk nicht möglich gewesen. Gleichzeitig ist dieses Netzwerk aus dem Verfassungsschutz heraus gefördert und geschützt worden, der darüber hinaus die Aufklärung über dieses Netzwerk im Nachhinein massiv behinderte. Die Taten des NSU sind schließlich eingebettet in eine gesellschaftliche Stimmung, die entweder selbst rassistisch oder diesem Rassismus gegenüber gleichgültig ist.

Am 11. Juli dieses Thema in den freien Radios zu platzieren heißt für uns: Eine klare antifaschistische Haltung zu zeigen, die Perspektiven der Opfer und Hinterbliebenen zu stärken und publik zu machen, staatliche Verstrickungen zu skandalisieren, institutionellen Rassismus und rassistische Stimmungsmache anzugreifen. Dies bedeutet auch: Die Urteilsverkündung darf nicht das Ende der Auseinandersetzung sein – die Taten des NSU und ihre Dimension sind noch lange nicht aufgearbeitet. Überhaupt kann diese Auseinandersetzung nicht enden, so lange Rassismus und Chauvinismus Teil der Gesellschaft sind und ähnliche Taten weiterhin möglich machen oder begünstigen.

Die Berichterstattung am 11. Juli organisieren wir als freie Radios, die im Bundesverband der Freien Radios (BFR) assoziiert sind. Als solche wollen wir aktiv am Abbau von Diskriminierungen arbeiten und stellen dieser das Modell der konkurrenzfreien, solidarischen Assoziation entgegen.

Das überredaktionelle Programm aus München wird von vielen freien Radios aus der BRD und Österreich gesendet. Mit dabei sind: LORA (München), Radio Blau (Leipzig), Bermudafunk (Mannheim und Heidelberg), Pi Radio Verbund (Berlin), Frrapo (Potsdam), Radio Unerhört (Marburg), LOHRO (Rostock), CORAX (Halle), FSK (Hamburg), Radio F.R.E.I. (Erfurt), Radio Dreyeckland (Freiburg), Radio Z (Nürnberg), Radio T (Chemnitz), freeFM (Ulm), Freies Radio Neumünster, FRS (Stuttgart) und Radio Helsinki (Graz).

Kein Schlussstrich heißt für uns: Dass die Aufmerksamkeit und Berichterstattung über den NSU-Komplex in den Freien Radios auch nach dem Ende des Münchner NSU-Prozess nicht enden wird.

Alle regulären Sendungen in diesem Zeitraum müssen leider ausfallen.

Programm:
7-8 Uhr: Rückblick auf die Pressekonferenzen, die Mittwoch, in München stattfanden. O-Töne von: u.a. Abulkerim Simsek, Gamze Kubasik, NSU-watch, NSU-Tribunal, Arif S., Betroffener des Nagelbombenanschlags in der Kölner Keupstr. und Nebenklageanwalt Sebastian Scharmer; Interview mit Initiatorin der seit Mittwoch existierenden Site http://www.offener-prozess.de/ zu Interventionen in Chemnitz und Zwickau

8-9 Uhr: Liveschalte zum OLG, Verlesung der Opfernamen auf der Kundgebung, Interview mit Fritz Burschel (VOR Urteilsverkündung)

9-10 Uhr: Interview mit Rechtsextremismusforscher Matthias Quent, Beitrag zu Einflüssen und Rezeption des NSU nach seinem Auffliegen auf die rechte Szene

10-11 Uhr: Interview mit Katharina König-Preuss, Statement Fritz Burschel zum Urteil,

11-12 Uhr: Live-Interview, Petra Pau (von 2012 bis 2017 Ob-Frau der LINKEN in den NSU-Untersuchungsausschüssen des Bundestages), Liveschalte nach Köln, Massimo Perinelli zum NSU-Anschlag in Köln und Auswirkungen auf Anwohner*innen (Vorprod)

12-13 Uhr: Live-Interview mit „Blackbox Verfassungsschutz“, Live- Interview mit Ayse Gülec von der Initiative 6. April Kassel

13-14 Uhr: Liveschalte nach Köln zur Kundgebung von Ini Keupstraße, Liveschalte nach Leipzig, Keinschlussstrichdemo

14-15 Uhr: Liveschalte nach Erfurt zu Kundgebung dort

15-16 Uhr: Live-Interview mit Dominik Rigoll (ZZF) zur Geschichte des westdt. VS, Live-Interview mit Martina Renner

16-17 Uhr: Live-Interview mit Raphael Behr, Polizeiwissenschaftler zu Rolle der Ermittlungsbehörden im NSU Komplex, sowie zu Unterschieden zwischen Polizei und VS

17-18 Uhr: Liveschalten zu Demos in Kiel, Rostock, Interview mit Antifa Neumünster zu Nazis im Norden, Liveschalte Berlin

18-19 Uhr: Liveschalten nach Hamburg und nach Hannover

19-20 Uhr: Liveschalten nach Dortmund und Frankfurt am Main

21-22 Uhr: Liveschalte nach Halle und Tagesrückblick (Collage aus gesammelten Sounds und O-Tönen vom Tag)

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Redaktion

Inforedaktion ist eine Sendung der Redaktion Inforedaktion

Jeden Montag bis Freitag nehmen wir uns von 18 - 19 Uhr jeweils eine Stunde Zeit für aktuelle politische Themen oder grundsätzliche Debatten. Links vom Medienmainstream vermitteln wir Gegenöffentlichkeit. Kontrastprogramm zu den Nachrichten der öffentlich-rechtlichen und kommerziellen Sender.

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