radioSCHAUen #50: Veronika Kracher – Punk als Avantgarde

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Samstag, 24. August 2019 17:00 Uhr

radioSCHAUen #50 – Ihre Ohren werden Augen machen!
Live-Sendung im Foyer des FRS und On Air auf 99.2:

Veronika Kracher
Punk als Avantgarde – Vortrag

Man schreibt das Jahr 1976 in London, und eine Gruppe junger Menschen zerreißt sich die Hosen und sticht sich Sicherheitsnadeln ins Fleisch, um ihre Verzweiflung an den Verhältnissen am eigenen Leib zu artikulieren. Sie schockieren und persiflieren den Kulturbetrieb, spielen mit Geschlechterrollen und fordern in dilettantischen Drei-Minuten-Songs radikal die Negation der kapitalistischen Verhältnisse. Ähnliches geschah zehn Jahre zuvor in Paris oder in den 1920ern in Berlin und Zürich, als der Dadaismus oder die Situationistische Internationale die im hegelschen Sinne dialektische Überführung der Kunst als Moment individueller Selbstverwirklichung in die Lebenspraxis versuchten zu verwirklichen.
Es ist kein Wunder, dass Malcolm McLaren das situationistische Magazin Potlach studierte oder das Feuilleton von »Punk als Rückkehr des Dada« sprach, da Punk von Anfang an das Moment einer Avantgardebewegung innewohnte.
Anhand der Theorien von Greil Marcus (Lipstick Traces) und Peter Bürger (Theorie der Avantgarde) wird die Journalistin Veronika Kracher sich auf eine Spurensuche begeben, inwieweit Punkrock in der Tradition von Dadaismus und Situationismus zu lesen ist. Sie stellt die Frage, ob ihm nach seiner kulturindustriellen Vereinnahmung noch revolutionäres Potential innewohnen kann und wieviel Punk eigentlich noch übrig geblieben ist beim bräsigen Sitzen auf der Straße, Saufen und »Schlachtrufe BRD«-Sampler-Hören. Es wird Adorno-Zitate, Musik und Dosenbier geben.

Publikum erwünscht! Eintritt frei!

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Eingang in der Heinrich-Baumann-Str.

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